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Ausbildungsberufe in der Bekleidungsindustrie im neuen Gewand

Wer sorgt eigentlich dafür, dass wir in allen Lebenslagen passend gekleidet sind? „Textil- und Modenäher/-innen“ und „Textil- und Modeschneider/-innen“ fertigen modische und klassische Bekleidung wie Kleider und Anzüge sowie Accessoires wie Krawatte, Schal und Mütze.

Aber auch funktionelle Bekleidung und textile Artikel wie Skijacken, Feuerwehranzüge, Rucksäcke und Airbags, Heimtextilien wie Vorhänge und Decken sowie medizinische Produkte wie Kompressionsstrümpfe gehören zum breiten Produktspektrum. Gemeinsam mit den Sozialpartnern und Sachverständigen aus der betrieblichen Praxis hat das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) im Auftrag der Bundesregierung die beiden zwei- beziehungsweise dreijährigen Ausbildungsberufe in der Bekleidungsindustrie auf den neuesten Stand gebracht. Die Verordnungen wurden jetzt im Bundesanzeiger veröffentlicht; die neuen Ausbildungsordnungen treten zum 1. August in Kraft.

Insbesondere technische, strukturelle und organisatorische Veränderungen in den Unternehmen der Bekleidungsindustrie haben sich im letzten Jahrzehnt auch auf die beruflichen Anforderungen an die Beschäftigten ausgewirkt. Die nähintensiven Tätigkeiten wurden zunehmend ins Ausland verlagert, so dass die klassische Bekleidungsfertigung nur noch in Ansätzen in den Musterabteilungen der Unter- nehmen vorhanden ist. In den Unternehmenszentralen sind heute vor allem die „Systemkopf- Funktionen“ wie Entwicklung, Design, Fertigungssteuerung, Einkauf, Vertrieb, Verwaltung, Marketing und Logistik zu finden. Es sind jedoch auch neue berufliche Einsatzgebiete entstanden, so im Bereich der Konfektion technischer Textilien und von Gesundheitsprodukten.

Die Ausbildungsberufe erhalten die neuen Berufsbezeichnungen „Textil- und Modenäher/-in“ und „Textil- und Modeschneider/-in“. Durch die Veränderung gegenüber den alten Berufsbezeichnungen „Modenäher/-in” und „Modeschneider/-in“ soll deutlich werden, dass nicht nur modische Oberbekleidung, sondern auch Funktionskleidung und andere textile Artikel in diesem Berufsbild gefertigt werden.

Ausbildungsinhalte, die sich bisher auf die industrielle Serienproduktion bezogen, werden reduziert und stattdessen um Ausbildungsinhalte der Musterfertigung, der Schnitttechnik, der Qualitätssicherung und der Logistik erweitert. Die „Fügetechniken“ Schweißen und Kleben, die Materialprüfung so- wie betriebliche Kommunikation und internationale Geschäftsbeziehungen wurden neu aufgenommen. Im dritten Ausbildungsjahr werden die drei Schwerpunkte „Prototypen und Serienfertigung“, „Arbeitsvorbereitung und Qualitätsprüfung“ und „Schnitttechnik“ angeboten, um so bereits während der Ausbildung eine Spezialisierung zu ermöglichen.

Die Inhalte der zweijährigen Ausbildung als Textil- und Modenäher/-in entsprechen den Ausbildungsinhalten der ersten beiden Jahre der dreijährigen Ausbildung als Textil- und Modeschneider/-in. Wird die Ausbildung nach Abschluss der zweijährigen Berufsausbildung mit dem Ziel Textil- und Modeschneider/-in fortgesetzt, können die zwei Jahre auf diese Ausbildung angerechnet werden. Dabei wird die bestandene Abschlussprüfung Textil- und Modenäher/-in als Teil 1 der Abschlussprüfung zum Textil- und Modeschneider/-in gewertet. Ein Durchstieg zum dreijährigen Ausbildungsberuf ist somit gewährleistet.

Bundesweit wurden 2014 bei den Modeschneider/-innen 162, bei den Modenäher/-innen 96 neu ab- geschlossene Ausbildungsverträge verzeichnet, davon sechs beziehungsweise fünf mit Männern. Die Fachkräfte arbeiten vorwiegend in den Näh - und Musterabteilungen von Unternehmen in der Textil- und Bekleidungsindustrie im In- und Ausland. Die dreijährige Ausbildung bereitet auf den Einsatz in der Prototypen- und Serienfertigung, Arbeitsvorbereitung und Qualitätsprüfung sowie in der Schnitttechnik vor und bietet eine gute Voraussetzung für den Einstieg in die mittlere Führungsebene, zum Beispiel als Bekleidungstechniker/-in, Direktrice/Modelleur oder Modedesigner/-in.

Der zweijährige Ausbildungsberuf „Textil- und Modenäher/-in“ ist zunächst bis zum 31.07.2021 befristet. Eine Evaluierung, in der insbesondere der Verbleib der Absolventen dieser Berufsausbildung zu untersuchen ist, wird begleitend durchgeführt und danach entschieden, wie es mit dem Berufsbild weitergehen wird.

Die modernisierten Ausbildungsordnungen und der darauf abgestimmte, von der Kultusministerkonferenz (KMK) für den schulischen Teil der dualen Ausbildung erarbeitete gemeinsame Rahmenlehrplan lösen die bestehende Verordnung aus dem Jahr 1997 zum 1. August 2015 ab.

(Quelle: BIBB Pressemitteilung 25/2015 vom 07.07.2015)

Weitere Informationen finden Sie auf der Website:
www.bibb.de